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Jahrgangsübergreifender Englischunterricht

Mandy Hammel & Christoph Huy, Staatliche Gemeinschaftsschule Kulturanum, Jena

Die Gemeinschaftsschule in einem sozialen Brennpunkt von Jena lebt Vielfalt im Englischunterricht: Statt in Klassen, wo alle Kinder gleichaltrig sind, lernen sie in Gruppen, in denen jeweils drei Jahrgänge zusammenkommen. Alle Schülerinnen und Schüler sind damit im Laufe der Zeit mal das jüngste oder das älteste Mitglied ihrer Lerngruppe. Zum Konzept gehört aber auch selbstständiges Lernen nach eigenem Tempo. Die Leistungsstarken haben in dem individualisierten Unterricht die Chance, Inhalte zu bearbeiten, die für die anderen erst später an die Reihe kommen. Leistungsschwächere können unterdessen Inhalte wiederholen. Herausforderungen des jahrgangsübergreifenden Lernens sind noch fehlende Lehrmaterialien, aber auch die Schwierigkeit, Medien zu nutzen, um die fremde Sprache zu hören, ohne Mitschüler zu stören. Hier sucht das Projekt nach Lösungen.

Die Staatliche Gemeinschaftsschule "Kulturanum" in Jena lebt schulkonzeptionell bereits das Motto "Vielfalt in der Schule" in verschiedenen Bereichen, mit unserem vielfältigen Englischkonzept für die Jahrgänge 4-6 möchten wir dies beispielhaft zeigen. Ein paar Eckpunkte unseres Schulkonzepts möchten wir vorab anführen, die für das Verständnis unseres eigentlichen Projektes Englischunterricht wichtig sind:

Die Schule befindet sich im Ortsteil Lobeda-West in Jena. Hierbei handelt es sich um einen sozialen Brennpunktbereich der Stadt. Somit besuchen insbesondere Schülerinnen und Schüler aus sozial schwächer gestelten Familien unsere Schule. Zugleich sind wir bestrebt, Kinder und Jugendliche aus allen Ortsteilen Jenas zu unterrichten.

Deshalb ist es wichtig, Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihren Begabungen und Förderbedürfnissen zu unterrichten. Gemeinsam lernen sie vom 1. bis 12. Schuljahr und können alle Schulabschlüsse (Hauptschulabschluss, Qualifizierender Hauptschulabschluss, Realschulabschluss, schulischer Teil der Fachhochschulreife, allgemeine Hochschulreife und alle Abschlüsse der Förderschule) anstreben. Wichtig ist, dass der Unterricht nicht in entsprechend bezeichneten Klassen oder Kursen stattfindet, sondern die Schüler gemeinsam mit- und voneinander lernen.

Vielfalt in der Schule zeigt sich des Weiteren in unserem jahrgangsübergreifenden Unterrichten. Schülerinnen und Schüler lernen in altersgemischten Jahrgängen (Untergruppe Jahrgang 1-3, Mittelgruppe Jahrgang 4-6, Obergruppe 7-9). So erleben die Schülerinnen und Schüler die Gruppe vielfältig und in verschiedenen Rollen – jeweils als jüngstes, mittleres und ältestes Mitglied.

Vielfältig ist auch unser Bewertungssystem: Die Jahrgänge 1-7 erhalten im 3-wöchigen Abstand in jedem Fach eine verbale Einschätzung, in der insbesondere auf den individuellen Lern- und Entwicklungsstand im Fach eingegangen wird. Ab Jahrgang 8 erhalten die Schülerinnen und Schüler ergänzend Noten.

Um dieser Vielfalt in unserer Schule im Unterricht gerecht zu werden, unterrichten wir selbstverständlich binnendifferenziert. Das selbstständige und individuelle Lernen nach eigenem Tempo bestimmt unser Konzept. Im Folgenden möchten wir das Projekt "Englischunterricht in der Mittelgruppe" vorstellen, mit dem wir uns bewerben.

Am Kulturanum wird der Großteil der Unterrichtsfächer im Team durchgeführt, d.h. entweder von zwei Fachlehrern oder durch die Kombination Fachlehrer und Förderpädagoge. Zu Beginn unserer Tätigkeit an der Schule probierten wir verschiedene Möglichkeiten des Englischunterrichts aus und reflektierten diesen gemeinsam mit unseren Schülerinnen und Schülern. Dabei erkannten wir sowohl Vorteile, zum Beispiel dass die Schülerinnen und Schüler viel von- und miteinander lernen und beispielsweise dass die Möglichkeit für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler aus dem vierten Jahrgang besteht, Inhalte aus dem fünften Jahrgang zu bearbeiten. Ebenso erkannten wir, dass es wichtig ist, dass auch ältere leistungsschwächere Schüler die Möglichkeit bekommen, Inhalte aus den vergangenen Jahren zu wiederholen bzw. diese zu bearbeiten. Neben vielen Vorteilen erkannten wir auch, dass wir für einen qualitativ anspruchsvollen und erfolgreichen Unterricht auch vor vielen Herausforderungen standen. An dieser Stelle seien nur wenige dieser erwähnt, die auf die Vielfalt in unserer Schule und unseren Gruppen zurückgehen: 

Berücksichtigung verschiedener Lehrpläne, 4. Jahrgang = Grundschule, 5. und 6. Jahrgang = Sekundarstufe 1 sowie die unterschiedlichen Schulformen (Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Förderschule, …)

Grammatikunterricht sowie die Produktion von Texten, die für Jahrgang 4 nicht von Bedeutung sind

Möglichkeiten des Hörens und Sehens in einem individualisierten Unterricht

Möglichkeiten der selbstständigen Erarbeitung von Inhalten einer Fremdsprache

In Deutschland gibt es nur zwei weitere (nach unserem Erkenntnisstand) Schulen mit jahrgangsübergreifendem Englischunterricht, die aber andere Jahrgangszusammensetzungen aufweisen. Auch gibt es bei den verschiedenen Schulbuchverlagen noch kein Material. Daher machten wir es zu unserer Aufgabe, ein Konzept und Material für den jahrgangsübergreifenden Englischunterricht der Jahrgänge 4-6 zu erarbeiten. Der Blick in die verschiedenen Lehrpläne zeigt, dass sich die Themen ähneln und in den Jahrgängen wiederholen, aber in ihrer Komplexität steigen. Somit ergeben sich die Themen: Me and my family, My Day, Clothes and Shopping, Free time and sports, nature and seasons. Diese Themen verteilten wir über das Schuljahr und erarbeiteten ein Konzept, bei dem jedes Thema aus verschiedenen Lernzielen (=Unterthemen) und Levels (=einzelne Arbeitsschritte) besteht, die nacheinander bearbeitet werden. Die Struktur und der Aufbau ist ähnlich dem Klippert-Ansatz der Lernspiralen, d.h. das Niveau der Level steigt stetig an. Ausgegangen wird davon, dass die Schüler des 4. Jahrgangs beispielsweise (je nach Thema ist der Umfang der Lernziele und der Level unterschiedlich) an den Level 1-2 arbeiten, der Jahrgang 5 an den Level 3-5 und der 6. Jahrgang die höheren Level bearbeitet. Um der Heterogenität der Schüler zu berücksichtigen, besteht jeder Zeit die Möglichkeit, die verschiedenen Voraussetzungen der Schüler zu beachten und ein oder zwei Level vor- oder zurückzugehen. Die höheren Level berücksichtigen auch grammatische Strukturen, die zuvor von Schülerinnen und Schülern unbewusst angewendet wurde. Aufgrund der Tatsache, dass alle Schüler an einem gleichen Oberthema, zum Beispiel My Day, arbeiten, können Unterrichtseinstiege und -abschlüsse gemeinsam im Kreis erfolgen. Hier profitieren auch die Schüler des 4. Jahrgangs, da sie die komplexeren Sprachstrukturen der älteren Schüler hören und zu verstehen lernen. Ebenso wiederholen ältere Schüler Vokabeln aus vergangenen Jahren. Für jedes Level gibt es ein Erarbeitungsblatt sowie ein Übungsblatt. Diese sind zu bearbeiten, bevor ein neues Level begonnen werden kann. Sowohl Erarbeitung als auch Übung berücksichtigen jeweils die verschiedenen Kompetenzen Lesen, Schreiben, Sprechen und Hören, je nach Level in unterschiedlichem Umfang und Intensität. Zu jedem Level gibt es außerhalb der "Pflichtaufgaben" weitere Übungen und Materialien, mit denen die Inhalte geübt und gefestigt werden können. Auch diese Materialien sind auf die Level abgestimmt und werden von unseren Schülern vor allem in Freiarbeitszeiten gerne genutzt. Alle Materialien wurden von uns selbstständig und anschaulich erstellt und befinden sich auf einem Materialwagen, mit dem die Schüler vertraut sind. Um einen Überblick zu gewinnen, welche Level zu bearbeiten sind, erhalten die Schülerinnen und Schüler nach der Einstiegsphase zum Thema, die im Plenum stattfindet, ein Deckblatt. Auf diesem werden die erfolgreich bearbeiteten Level gekennzeichnet. Dieses Blatt wird über die 3 Jahrgänge fortgeführt. Ziel ist es, für die Schüler, die einen Realschulabschluss bzw. einen gymnasialen Abschluss anstreben, die angegebenen Level zu bearbeiten. Ebenso notieren sich die Lehrer die bearbeiteten Level der einzelnen Schüler. Nach den bearbeiteten Themen führen die Schüler einen Selbsttest durch, der jeweils nach Level gestaffelt erarbeitet wird, d.h. Level 1-2, Level 3-5, ... Daraufhin erhalten die Schüler eine verbale Einschätzung, die von den Eltern zu unterschreiben ist. Ein Thema wird ca. drei Wochen bearbeitet. Selbstverständlich legen wir Wert darauf, dass Schüler nicht nur nacheinander Arbeitsblätter abarbeiten, sondern die bearbeiteten Inhalte nachhaltig bleiben, sodass die Schülerinnen und Schüler langfristig durch den Englischunterricht in der Sprache handlungsfähig werden. Ebenso räumten wir Platz im Jahresplan ein, indem die Schüler projektartig und vielfältig an selbst gewählten Themen arbeiten können und ihre Ergebnisse vor der Gruppe präsentieren. Dabei legen wir insbesondere Wert auf die heterogene Zusammensetzung der Gruppe, sodass Schülerinnen und Schüler der verschiedenen Jahrgänge zusammenarbeiten. Noch stärker als in den spezifisch themenbezogenen Stunden, können die Lernwege hier vielfältig gewählt werden und der Wissenserwerb (vor allem Vokabeln zum Thema) selbstständig erfolgen. 

Mit den Mitteln aus dem Projektfonds in Höhe von 1.000 Euro würden wir dies entsprechend dem Motto der Bewerbung "Vielfalt in der Schule" vielfältig nutzen. Zum einen würden wir gern technische Geräte für den Englischunterricht anschaffen, die es den Schülerinnen und Schülern erlauben, insbesondere Hördateien individuell an ihren gewählten Arbeitsplätzen zu hören und selbst produzierte Sprachaufzeichnungen vorzunehmen. Dies ist uns momentan noch nicht möglich und es ist schwierig, einzelne Dialoge der Schüler anzuhören, während andere Schüler mit Fragen zu uns kommen. Ebenso wäre es vorteilhaft, wenn wir ggf. eine weitere Möglichkeit hätten, Filme und Clips im Unterricht zu zeigen. Diese besteht derzeit nur sehr eingeschränkt und für eine Mittelgruppe. Zum anderen werden wir die Mittel zur Überarbeitung der bereits entwickelten Unterrichtsmaterialien nutzen und zur stetigen Erweiterung dieser. Sollten wir noch Mittel übrig haben, wäre es schön, wenn wir einmal eine englischsprachige Theatervorstellung mit den Schülerinnen und Schülern besuchen und verschiedene englischsprachige Ganzschriften anschaffen könnten, die in unserem individualisierten Unterricht mit Hilfe von Reading Logs zum Einsatz kommen sollen.

Foto: Kulturanum Jena

 

 

Foto: Martin Magunia/Deutsches Lehrerforum

Foto: Martin Magunia/Deutsches Lehrerforum
 

ERFAHRUNGEN AUS DEM PROJEKT

Durch das Preisgeld konnten weitere Ideen für einen abwechslungsreichen, anspruchsvollen Sprachunterricht in die Tat umgesetzt werden. In enger Zusammenarbeit mit einer Fremdsprachenassistentin aus Liverpool wurde begonnen, Vokabeln einzusprechen und Texte bzw. Aufgaben zum besseren Hörverstehen zu entwerfen. Unter anderem hat die Schule MP3-Player, Kopfhörer und Lautsprecher angeschafft, damit die Kinder selbstständig mit den Hörtexten arbeiten und die Aussprache der Vokabeln wiederholen können. Dadurch ist der individualisierte Unterricht noch flexibler geworden.
 

Projektbericht (PDF)

Das Deutsche Lehrerforum wird organisatorisch und finanziell von diesen Partnern getragen: